Soziales Lernen
Ziele
Der Stellenwert von Schule als sozialem Lebensraum hat sich aufgrund vielschichtiger gesellschaftlicher Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Für viele Kinder endet der Schultag am Nachmittag, nach dem Besuch der OGS.
Wenn Kinder über einen großen Teil des Tages zusammenleben und lernen, ist es wichtig, dass es Grundsätze für ein friedliches Miteinander gibt.
Die Mitarbeitenden unserer Schule sehen es daher als eine wichtige und wesentliche Aufgabe an, Kinder zu befähigen und zu stärken, friedlich und respektvoll miteinander umzugehen.
Durch den Erwerb sozialer Kompetenzen wie Achtung, Toleranz, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen und Kompromissbereitschaft kann der Entstehung von Konflikten präventiv vorgebeugt werden.
Schülerinnen und Schüler sollen lernen, angemessene Konfliktlösestrategien einzusetzen, wenn es zu Auseinandersetzungen kommt.
Soziales Lernen steht vom ersten Schuljahr an auf dem Lehrplan. Die Unterrichtszeit wird anteilig den Fächern Deutsch, Sachunterricht, Religion und Sport entnommen, da es dort Überschneidungen mit Lernzielen und Lerninhalten gibt.
Curriculum zum sozialen Lernen
Die Regenbogenschule hat ein Curriculum zum sozialen Lernen erstellt. Passende Übungen und Spiele sind in entsprechenden Ordnern gesammelt.
Folgende Bereiche halten wir für wichtig. Sie sollen in jedem Schuljahr behandelt werden.
Selbstwertgefühl stärken
Gemeinschaftsgefühl stärken
Selbstwahrnehmung
Fremdwahrnehmung
Empathie
Kommunikation
Kooperation/Team
Konfliktfähigkeit
mit dem Ziel: eigene Fähigkeiten realistisch und zugleich optimistisch einschätzen
mit den Zielen: Sozialbindungen und Mitverantwortung stärken
mit den Zielen: sich mit dem eigenen Körper auseinander setzen, die eigenen Sinne kennen lernen, Gefühle erkennen und ausdrücken, Stärkung des Selbstwertgefühls
mit den Zielen: andere Personen wahrnehmen, unterschiedliche Handlungsmotive erkennen,
mit den Zielen: Gefühle Anderer wahrnehmen und respektieren, Gefühle Anderer mit eigenen Gefühlen vergleichen
Mit den Zielen: Gesprächsführung, Umgang mit Kritik
mit den Zielen: Kooperation als Qualität erleben und bewusst gestalten, Gemeinsamkeit statt Konkurrenz entwickeln, Teamfähigkeit
mit den Zielen: Konflikte erkennen und analysieren, Handlungsmöglichkeiten in Konflikten aneignen, mit Konflikten konstruktiv umgehen
Soziales Lernen im Schulleben
Zentrales Handlungsfeld für soziales Lernen ist neben den oben genannten Übungen und Spielen die Beteiligung der Kinder an der Gestaltung des Schullebens.
Dabei bilden die Schulregeln einen Leitfaden des Miteinanders und müssen daher allen Schülern, Eltern und Lehrern sowie pädagogischen Mitarbeitern der Schule bekannt sein. Unsere Schulregeln wurden in einer positiven Formulierung mit allen Beteiligten (Kinder, Lehrkräfte, Eltern) gemeinsam erarbeitet, um eine verbindliche Grundlage des Zusammenlebens zu schaffen. Die Regeln sind in allen Klassen und in der Eingangshalle sichtbar aufgehängt.
Schulhoflotsen und Schulhoflotsinnen
Die Ausbildung und der Einsatz der Schulhoflotsen und Schulhoflotsinnen basiert auf dem Konzept des Bensberger Mediationsmodells.
Das Bensberger Mediationsmodell bietet die Grundlage für Prävention und Intervention bei Konflikten im Rahmen von sozialem Lernen an unserer Schule. Dabei bedeutet Mediation Streitvermittlung, bei der ein Schulhoflotse oder eine Schulhoflotsin den Streitenden hilft, einen Konflikt zu lösen.
Im Bereich Prävention findet pro Schuljahr einmal in jeder Klasse das Klassentraining „Anders streiten“ statt. Im Rahmen eines Spiralcurriculums gibt es für jede Jahrgangsstufe eine Streitgeschichte, die nach einem einheitlichen Ablauf erarbeitet wird.
Zu Beginn jeden Schuljahres werden neue Mitarbeitende aus OGS und / oder Lehrerkollegium in einem zweistündigen Workshop von den verantwortlichen Kolleginnen für diesen Bereich über die Grundlagen des BMM informiert.
Im Rahmen von Intervention bei Konflikten werden zu Beginn eines jeden neuen Schuljahres freiwillige Kinder aus dem 4. Jahrgang in einem zweitägigen Kurs zu Schulhoflotsen und Schulhoflotsinnen ausgebildet. Am Ende der Ausbildung erhält jedes Kind ein Zertifikat. Zu den Aufgaben gehören die Vermittlung bei Konflikten, Hilfe bei kleinen Verletzungen (Kühlakku, Pflaster holen) und trösten. Die Lotsen tragen gelbe Westen und ein Umhängeband mit dem Ablauf „1. Hilfe im Streit“. In der ersten großen Pause haben die Kinder in der Regel einmal wöchentlich Dienst nach einem festgelegten Plan. Dieser wird mit den Kindern gemeinsam erarbeitet.
Je nach Gruppengröße treffen sich die Kinder einmal wöchentlich oder vierzehntägig in einer Arbeitsgemeinschaft, um den Dienst in den Pausen zu reflektieren. Die Förderung der Gemeinschaft in der Gruppe durch gemeinsame Spiele ist ebenfalls Bestandteil der Stunden, die zusätzlich stattfinden.
Am Ende des Schuljahres findet ein Danke-schön-Tag statt. Eine Bemerkung über die Tätigkeit gibt es im Zeugnis.
Bei Klärungsgesprächen mit dem Ablauf „1. Hilfe im Streit“ werden je nach Einschätzung der Lehrkraft die Eltern mit einem vorgefertigten Formular über den Vorfall informiert. Dieser „Friedenszettel“ wird von den Kindern unterschrieben zurückgegeben. Bei Bedarf können die Eltern ein weiteres Gespräch mit der Schule suchen. In der Regel ist dies nicht nötig, da der Vorfall geklärt wurde und die Kinder selbstständig zu Hause berichten können.
In jeder Klasse und in den Räumen der OGS ist der Ablauf „1. Hilfe im Streit“ mit den entsprechenden Bildern ausgehängt. Die Pausenaufsicht trägt ebenfalls das Umhängeband mit dem Ablauf „1. Hilfe im Streit“
Coaching Programm „Ich schaff`s“ nach Ben Furman
Ein weiterer Ansatz im sozialen Lernen ist das lösungsorientierte Programm „Ich schaff‘s“ von Ben Furman. Die Methode basiert auf der Annahme, dass Kinder neue Fähigkeiten erlernen müssen, um Schwierigkeiten zu überwinden und dass das Verhalten von Kindern erlernbar und veränderbar ist. Dieses Programm ist als Einzelcoaching durchführbar und erstreckt sich über mehrere Wochen. Es wird in der Regel von den Lehrkräften für Sonderpädagogik oder den Fachkräften für Sozialpädagogik durchgeführt.
Dienste
Die Übernahme von Aufgaben für die Klasse oder die Schulgemeinschaft stellt einen weiteren Baustein dar. Die Kinder lernen, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Dabei erleben sie Selbstwirksamkeit.
Klassendienste
In allen Klassen gibt es regelmäßige Aufgaben, die von den Kindern ab Klasse 1 selbstständig durchgeführt werden. Dienste sind z.B. Fegedienst, Blumen gießen, Obst holen, Austeildienst usw. In der Regel erledigen immer 2 Kinder in Absprache mit der Lehrkraft für einen festgelegten Zeitraum eine Aufgabe. Abschließend wird reflektiert, wie die Erledigung der Aufgabe gelungen ist.
Dienst am Spielehäuschen
Um eine regelmäßige Ausleihe von Spiel- und Beschäftigungsmaterial für die Pause zu ermöglichen, werden diese von Kindern, die sich für diese Aufgabe gemeldet haben, ausgegeben. Jedes Kind der Schule hat einen Spieleausweis, der bei der Ausleihe hinterlegt wird und bei Rückgabe wieder zurückgegeben wird.
Paten
Das Patensystem bietet den neuen Schülerinnen und Schülern eine Ansprechperson in den Pausen und bei gemeinsamen Aktionen. Die Paten stellen sich bereits vor Schulbeginn den Kindern des 1. Jahrgangs in einem Brief vor.
Im Rahmen der Einschulungsfeier begleiten die Paten ihre Patenkinder in die jeweilige Klasse.
Zu Beginn holen die Paten ihre Patenkinder in den Klassen ab, um gemeinsam in die Pause zu gehen. Dabei werden die Schulhofregeln vermittelt.
Es werden gemeinsame Aktivitäten vereinbart, wie z.B. eine Schulrallye, ein gemeinsames Frühstück, eine gemeinsame Vorlesezeit oder eine gemeinsame Spielezeit. Gezielte Unterstützung geben die Paten z.B. beim Umgang mit dem I-Pad oder dem Kennenlernen der Bücherei.
Mit dem Patensystem bekommen die Kinder Unterstützung von den „Großen“, die sich in der Schule und mit dem Schulleben schon gut auskennen, ohne immer einen Erwachsenen ansprechen zu müssen. Dadurch entstehen Bindungen innerhalb der Schülerschaft zu Kindern anderer Altersgruppen.